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Fragen und Antworten rund um den Schmerz

Was Sie schon immer wissen wollten: Wir geben Ihnen hier Antworten auf die wichtigsten Fragen zu Schmerzen.

Die Fragen:

Schmerzen: Was tun?

Schmerzbehandlung

Schmerzmittel

Die Antworten:


Schmerzen – was tun?

Kann ich normal arbeiten, auch wenn ich unter chronischen Schmerzen leide?

Viele Schmerzkrankheiten treffen die Betroffenen mitten in ihrem Berufsalltag. Die Teilnahme am Berufsleben ist für die Patienten nicht nur von materieller Bedeutung, sondern meist auch wichtig für das soziale und psychische Wohlbefinden. Auch das Schmerzempfinden kann vom Arbeitsalltag profitieren. Berufstätige Menschen klagen zum Beispiel über weniger Schmerzen als andere Bevölkerungsgruppen.

Chronische Schmerzen müssen kein Hindernis sein zu arbeiten. Bei Einhaltung bestimmter Vorsichtsmaßnahmen und bei Schmerzfreiheit oder geringer Schmerzstärke kann man mit Schmerzmitteln in vielen Fällen berufstätig sein.

Die Schmerzen sollten jedoch nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Dauerhafte Schmerzen erfordern in der Regel eine kontinuierliche Behandlung durch den Arzt. So stellen Sie sicher, dass Ihre Schmerzen ausreichend behandelt werden und Sie sich auf Ihre Arbeit konzentrieren können.

Vereinbaren Sie regelmäßige Termine mit Ihrem Arzt, um die Behandlung zu überprüfen. Am besten, Sie besprechen auch mit Ihrem Arzt, ob Ihr Gesundheitszustand und Ihre Medikamente eine berufliche Tätigkeit erlauben und welche Arbeiten für Sie geeignet sind. Auch wenn Sie unter möglichen Nebenwirkungen der Schmerztherapie leiden, wie Müdigkeit und Erschöpfung, sollten Sie mit Ihrem Arzt darüber sprechen.

Sie sollten außerdem Ihre Kollegen und Vorgesetzten darüber informieren, wenn Sie regelmäßig starke Schmerzmittel einnehmen müssen. Diese Information ist wichtig, damit diese sich auf verschiedene Situationen einstellen können, zum Beispiel beim Auftreten von plötzlichen Beschwerden, aber auch, damit bestimmte Vorsichtsmaßnahmen eingehalten werden können. Menschen, die starke Schmerzmittel einnehmen, dürfen zum Beispiel unter Umständen nicht an bestimmten Maschinen arbeiten.

Auch Ihr Arbeitsplatz sollte Ihren Bedürfnissen entsprechend eingerichtet sein. Leiden Sie zum Beispiel an Rückenschmerzen, dann sollten Sie auf rückengerechte, ergonomische Büromöbel achten.

Quellen:

Berufstätig trotz chronischer Schmerzen, Link öffnet in neuem Fensterwww.schmerzakademie.de

Ich leide seit einigen Wochen unter Rückenschmerzen. Meine Ehefrau sagt, ich müsse die Schmerzen aushalten. Stimmt das?

Schmerzen haben eine wichtige Warnfunktion. Sie teilen uns mit, dass etwas mit unserem Körper nicht stimmt. Doch sobald Schmerzen ihre Warnfunktion erfüllt haben, ist eine möglichst vollständige Schmerzlinderung angesagt. Denn ständige Schmerzreize führen zu Veränderungen an den Nervenbahnen im zentralen Nervensystem, also im Gehirn und im Rückenmark. Werden Schmerzen nicht rasch und ausreichend beseitigt, kann sich das schmerzverarbeitende System aufschaukeln und es kann zu einer eigenständigen Schmerzkrankheit kommen.

Es ist also falsch, Schmerzen auszuhalten und zu meinen, den "starken Mann" spielen zu müssen. Schmerzen können heute mit verschiedenen Verfahren, zu denen auch schwache und starke Schmerzmittel gehören, wirksam bekämpft werden. Am besten, Sie suchen einen Arzt auf, der spezielle Erfahrung mit der Behandlung von Schmerzen aufweist.

[Mehr zur Behandlung von Schmerzen]

Ist es nicht besser, den Schmerz auszuhalten, als Medikamente zu nehmen?

Es hat überhaupt keinen Sinn, den Helden spielen zu wollen. Wenn Sie Schmerzen haben oder sie schlimmer werden, dann sprechen Sie umgehend mit Ihrem Arzt darüber! Bitte verschweigen oder verharmlosen Sie nichts. Denn: Nur Sie allein spüren Ihre Schmerzen! Daher können auch nur Sie einschätzen, wann Ihre Schmerzen ausreichend gelindert sind!

Wichtig: Eine frühzeitige Schmerzbekämpfung beugt einer Chronifizierung des Schmerzes vor: Sensible Nervenzellen sind lernfähig. Wenn sie dauernden oder häufigen Schmerzimpulsen ausgesetzt sind, verändern sie ihre Aktivitätsbereitschaft. Dann reichen bereits leichte Reize, wie Berührungen oder Wärme, um als Schmerz wahrgenommen zu werden. Aus dem Schmerz als notwendiges Warnsignal ist ein krankhafter Schmerzzustand geworden.

Deshalb: Bekämpfen Sie den Schmerz aktiv!

An welchen Arzt richte ich mich, wenn ich anhaltende Schmerzen habe?

In der Regel wird der Hausarzt Ihre erste Anlaufstation sein. Er kann häufig feststellen, woher der Schmerz kommt, eine entsprechende Behandlung beginnen und gegenenenfalls entscheiden, ob Sie von einem Schmerzspezialisten weiterbehandelt werden müssen. Um die Ursache von Schmerzen zu erkennen und richtig zu behandeln, kann es sinnvoll sein, einen weiteren Facharzt hinzuzuziehen, beispielsweise einen Internisten und Rheumatologen oder einen Nervenarzt (Neurologen).

Einige Hausärzte haben sich zusätzlich auf Schmerzbehandlung spezialisiert. Sie können davon ausgehen, von diesen Haus- bzw. Allgemeinärzten fachgerecht behandelt zu werden. Darüber hinaus gibt es Neurologen, Internisten, Orthopäden und Anästhesisten, die sich ebenfalls auf Schmerztherapie spezialisiert haben. Sie erkennen Schmerztherapeuten unter anderem anhand der Zusatzbezeichnung "Spezielle Schmerztherapie" oder am "Algesiologiezertifikat" einer Fachgesellschaft.

Gerade bei hartnäckigen und anhaltenden Schmerzen sollten Sie einen erfahrenen Schmerztherapeuten, ein Schmerzzentrum oder eine Schmerzambulanz aufsuchen. Selbstverständlich gibt es auch Ärzte, die in der Behandlung von Schmerzen erfahren sind, die aber über keine Zusatzbezeichnung verfügen.

[Mehr zur Behandlung von Schmerzen]

Welche Fragen stellt der Arzt zu meinen Schmerzen?

Neben den Fragen zu bekannten Vorerkrankungen sind für eine Schmerztherapie folgende Fragen wichtig:

  • Beginn der Schmerzen
  • Dauer der Schmerzen
  • Zeitlicher Charakter der Schmerzen (Dauerschmerz oder immer wiederkehrender Schmerz)
  • Auslösende Tätigkeit/Situation für die Schmerzen
  • Schmerzcharakter (stechend, brennend, ziehend, klopfend, bohrend, kribbelnd, krampfartig usw.)
  • Schmerzlokalisation

Zudem ist wichtig, ob Sie durch die Schmerzen in Ihren täglichen Verrichtungen eingeschränkt sind, ob sie bereits eine erfolglose Behandlung hinter sich haben und ob sie zusätzlich unter Ängsten, Depression oder Schlafstörungen leiden.

(Leitfaden des Deutschen Hausärzteverbandes, Oktober 2005)


Schmerzbehandlung

Was versteht man unter der WHO-Stufenleiter?

Anhand der so genannten Stufenleiter der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kann der Arzt die geeignete Schmerzbehandlung für einen Patienten auswählen. Die Stufenleiter unterteilt die Schmerzstärke in drei Schweregrade. Je nach Schmerzstärke wird der Arzt dem Patienten schwache oder starke Schmerzmittel - teilweise in Kombination - verabreichen.

[Mehr dazu auf dieser Website]

Wie kann ich meinen Arzt bei der Untersuchung und Behandlung meiner Schmerzen unterstützen?

Schmerzen sind subjektive Empfindungen. Eine Diagnose kann also nur auf den Erfahrungen und Aussagen aufbauen, über die Sie selbst berichten. Je detaillierter Sie das Auftreten des Schmerzes beschreiben, desto besser ist die Chance auf einen Erfolg der Behandlung.

Schmerzfragebogen
Wenn Sie den Schmerzfragebogen der Deutschen Schmerzhilfe e.V. ausfüllen, machen Sie den ersten Schritt hin zu einer aktiven Bekämpfung Ihrer Schmerzen. Die Ergebnisse sollten Sie mit Ihrem Arzt besprechen. Er kann dann besser beurteilen, was in Ihrem Fall zu tun ist.

PDF nicht barrierefrei Pain Check (543 KB)

Die Schmerzskala
Mit der Visuellen Analogskala (abgekürzt VAS) unterstützen Sie Ihren Arzt bei der Erfassung der Schmerzstärke. Sie brauchen lediglich die Stärke der von Ihnen wahrgenommenen Schmerzen zu beurteilen und in die Visuelle Analogskala einzutragen. Ihr Arzt kann dann die Schmerzstärke einer Zahl zwischen 0 (kein Schmerz) und 10 (stärkste vorstellbare Schmerzen) zuordnen.

Schmerzskala

PDF nicht barrierefrei Schmerzskala (171 KB)

Das Schmerztagebuch
Schmerzen können von Tag zu Tag oder auch innerhalb eines Tages unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Dies erschwert die Diagnose, insbesondere, wenn Schmerzen bereits über einen längeren Zeitraum bestehen.

Das Führen eines Schmerztagebuchs ist daher ein wesentlicher Bestandteil der Schmerztherapie. Als betroffener Patient halten Sie Art, Intensität und Dauer der Schmerzen in einem Tagebuch fest. Zusätzlich sollten Sie angeben, welche Medikamente Sie einnehmen, ob es besondere Vorkommnisse gibt beziehungsweise unter welchen Lebensumständen Schmerzen aufgetreten sind.

PDF nicht barrierefrei Schmerztagebuch (431 KB)

[Weitere Dateien zum Herunterladen]


Schmerzmittel

Gibt es Unterschiede in der Verträglichkeit von Schmerzmitteln?

Schmerzmittel werden durchaus unterschiedlich gut vertragen. So ist bekannt, dass nach Einnahme mancher Schmerzmittel relativ häufig Beschwerden im Bereich von Magen und Darm auftreten können, bei anderen dagegen nicht oder weniger häufig.

Zwar gibt es keine wirksamen Schmerzmittel, bei denen überhaupt keine Nebenwirkungen zu befürchten sind. Der Arzt kann und muss jedoch Nutzen und mögliche Nebenwirkungen bei jedem einzelnen Patienten sorgfältig gegeneinander abwägen. Ein Beispiel: Gerade bei älteren Menschen arbeiten die Nieren häufig nicht mehr wie im jugendlichen Alter. Hier wird der Arzt Schmerzmittel, die die Nieren schädigen können, wahrscheinlich eher nicht verschreiben.

Andererseits kommen manche Patienten nicht umhin, gewisse Nebenwirkungen in Kauf nehmen zu müssen. Aber auch in diesem Fall besteht oft die Möglichkeit, störende Nebenwirkungen, wenn zum Beispiel keine Behandlungsalternative verfügbar ist, wirkungsvoll zu lindern.

Wichtig ist: Sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Apotheker über mögliche Nebenwirkungen Ihrer Schmerzmedikamente und was Sie ggf. dagegen unternehmen können.

Warum kann es sinnvoll sein, zwei Schmerzmittel gleichzeitig einzunehmen?

Nicht jeder Schmerz ist gleich. Schmerzen unterscheiden sich u. a. in der Stärke, Art, Dauer und dem Ort, an dem sie auftreten. Es kommt auch vor, dass unterschiedliche Formen von Schmerz gleichzeitig vorkommen, beispielsweise Nervenschmerz und Entzündungsschmerz.

Daher wird verständlich, dass der Arzt je nach Art und Stärke des Schmerzes Medikamente mit unterschiedlichen Eigenschaften verordnen und diese auch miteinander kombinieren kann. So wirken manche Schmerzmittel direkt am Ort eines durch eine Entzündung bedingten Schmerzes, andere wiederum verstärken vor allem die körpereigene Schmerzabwehr.

[Mehr zur Behandlung von Schmerzen]

Mein Arzt sagt, dass meine Nieren nicht mehr richtig arbeiten. Muss ich auf Schmerzmittel verzichten?

Gerade im Alter ist die Funktion der Niere häufig eingeschränkt Dies bedeutet, dass die Nieren an der Grenze ihrer Leistungsfähigkeit angelangt sind und ihren Aufgaben der Blutreinigung und der Wasserausscheidung allenfalls gerade noch gewachsen sind.

Von manchen Schmerzmitteln weiß man, dass sie Nierenschäden verursachen können, vor allem wenn sie oft und über längere Zeiträume eingenommen werden. Sie verringern die Durchblutung der Nieren und damit die Bildung von Harn, weshalb sich Mineralien und überschüssiges Wasser im Körper ansammeln. Auf diese Schmerzmittel sollte bei Nierenschwäche verzichtet werden.

Auch, wenn Sie unter einer Nierenschwäche leiden und Schmerzen haben, wird es häufig keine Alternative zu Schmerzmitteln geben. In diesem Fall gibt es Schmerzmittel, die die Arbeit der Nieren nicht beeinträchtigen und deren Einnahme daher auch bei Nierenschwäche möglich ist.

Sprechen Sie auf jeden Fall mit Ihrem Arzt, welches Schmerzmittel am besten für Sie geeignet ist und in welcher Dosierung.

Kann ich während meiner Therapie Auto fahren?

Noch bestehende Schmerzen können die Fahrtauglichkeit beeinträchtigen. Auch Schmerzmittel können die Aufmerksamkeit und Reaktion beeinflussen – bitte lesen Sie immer aufmerksam den jeweiligen Beipackzettel und fragen Sie bei Unklarheiten Ihren Arzt oder Apotheker. Fahren Sie gegebenenfalls lieber nicht selbst, sondern bitten Sie Familienmitglieder oder Freunde.

Kann ich meine Schmerzmittel in den Auslandsurlaub mitnehmen?

In die Länder des Schengener Abkommmens dürfen Sie alle von Ihrem Arzt verschriebenen Medikamente, also auch Opioide, in der für die Dauer der Reise angemessenen Menge als Reisebedarf aus- oder einführen. Dies gilt für einen Urlaub von bis zu 30 Tagen.

Unterliegt die Verschreibung eines Opioids einer besonderen Kontrolle, wie sie in der Betäubungsmittelverschreibungsverordnung (BtMVV) geregelt ist, müssen Sie eine ärztliche Bescheinigung mitnehmen. Erhalten Sie ein Opioid, das nicht der BtMVV unterliegt, benötigen Sie keine Bescheinigung Ihres Arztes. Sie können das Formular bei der Link öffnet in neuem FensterBundesopiumstelle in Bonn anfordern oder herunterladen. Es wird von Ihrem Arzt ausgefüllt und muss vom örtlichen Gesundheitsamt beglaubigt werden.

Opioide, die einer besonderen Kontrolle unterliegen, dürfen nur reisebegleitend für den eigenen Bedarf mitgeführt werden! Eine Mitnahme durch beauftragte Personen ist nicht zulässig.

Außerhalb des Geltungsbereichs des Schengener Abkommmens empfiehlt sich die Mitnahme einer ärztlichen Bescheinigung oder beglaubigten Kopie der Verschreibung in englischer Sprache. Es sollten Angaben über die Einzel- und Tagesdosis der Arzneimittel sowie die Dauer der Reise enthalten sein, um abschätzen zu können, ob die mitgeführten Opioide der Dauer der Reise angemessen sind.

Fragen Sie sicherheitshalber vor der Reise bei der diplomatischen Vertretung Ihres Urlaubslandes nach, ob sie eventuell bestimmte Genehmigungen für das Mitführen Ihrer Schmerzmittel benötigen.

[Weitere Informationen zu 'Mit Arzneimitteln ins Ausland']