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"Haltearbeit ist ungesund"

Diese Aussage ist natürlich genauso falsch, wie sie richtig ist. Nur durch Halte-Muskelarbeit können wir aufrecht sitzen, aufrecht stehen, uns in der Straßenbahn festhalten usw. - könnten wir das nicht, wäre das sicherlich noch ungesünder!

Wenn Muskeln arbeiten, wollen sie auch ernährt werden und ihren "Abfall" loswerden. Über das Blut bekommen sie ständig Nährstoffe und Sauerstoff zugeliefert und geben die bei der Arbeit angefallenen Stoffwechsel-Abfallprodukte wie Milchsäure wieder ab, die sich sonst im Muskel ansammeln würden. Dafür, dass das Blut zu jeder Zelle des Körpers hinkommt und von dort wieder wegtransportiert wird, ist nicht nur das Herz, sondern auch die so genannte Muskelpumpe verantwortlich. Unter der Muskelpumpe versteht man den Effekt von sich zusammenziehenden und sich entspannenden Muskeln, Bewegungs-Muskelarbeit, auf kleine und mittlere Blutgefäße.

Die Rückenmuskulatur muss sehr viel Halte-Arbeit leisten; wenn wir sitzen und stehen, ist die Anteil an Bewegungs-Arbeit im Vergleich dazu sehr klein. Aber auch während der Halte-Arbeit wollen die Rückenmuskeln versorgt werden - je länger wir verkrampft und steif in einer Position sitzen, desto weniger Sauerstoff und Nährstoffe kommen bei ihnen an.

Übung:

Nehmen Sie einen Gegenstand von der Größe eines Textmarkers oder einer Süßstoffdose in die linke Hand und schließen Sie sehr fest die Finger darum. Halten Sie die eingenommene Position für zwei Minuten, ohne den Arm locker zu lassen. Sie können in dieser Zeit mit der freien Hand etwas anderes machen, zum Beispiel Tippen oder mit der Maus arbeiten. Nach zwei Minuten Festhalten lassen Sie den Gegenstand wieder los. Spüren Sie, wie das Blut in Ihre Hand zurückkehrt? (Oft kann man dies sogar sehen).

Können Sie sich vorstellen, wie die Hand sich nach acht Stunden Halten in ein und derselben vorgeschriebenen Stellung anfühlen würde? So geht es Ihrer Rückenmuskulatur nach einem Schreibtischtag. Bekämen Sie dagegen Anweisung, denselben Gegenstand acht Stunden in der Hand zu behalten, würden Sie ihn mal hochhalten, mal den Arm hängen lassen oder herumschwenken. Durch die Bewegung würde die Durchblutung gesichert und am Abend ginge es dem bewegten Arm viel besser, obwohl er viel mehr sichtbare Arbeit geleistet hat.

Tipp:

Um die viele Haltearbeit leisten zu können, muss dem Rücken auch genügend Bewegung verschafft werden. Wer mehr als die Hälfte seines Arbeitstags in sitzender oder stehender oder in anderer Weise starrer Körperhaltung verbringt, sollte sich zum Ausgleich in seiner Freizeit unbedingt bewegen.
Dazu sind rückenfreundliche Sportarten wie Schwimmen oder Gymnastik bei nicht vorgeschädigtem Rücken genauso geeignet wie leichte Gartenarbeit, Spaziergänge oder Einkaufsbummel (immer vorausgesetzt, Sie befolgen die Regeln zum richtig heben und richtig stehen). Das Wichtigste ist, dass Ihnen die Beschäftigung soviel Spaß macht, dass man Sie auch noch Monate nachdem Sie dies hier gelesen haben, regelmäßig bei dieser Betätigung sieht!