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Schmerzen bekämpfen – auch bei Kindern!
Je früher und länger bereits ein Kind unter Schmerzen leidet, desto wahrscheinlicher tut es dies auch als Erwachsener. Die Devise heißt darum nicht: "Ein Indianer kennt keinen Schmerz", sondern "Ein kluger Indianer bekämpft den Schmerz."
Wer sich an seine eigene Kindheit erinnert, weiß, dass Kinder Schmerzen haben. Jedes fünfte Kind im Kindergartenalter leidet manchmal unter Kopfweh. Sind Kinder sehr schwer, zum Beispiel an Krebs, erkrankt, leiden sie nicht seltener unter schweren und schwersten Schmerzen als Erwachsene. Schmerzen quälen 80 Prozent krebskranker Kinder am Ende ihres Lebens – eine enorme Belastung auch für die Familien der Kinder.

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"Chronische Schmerzen bei Kindern nehmen an Häufigkeit zu", weiß Privatdozent Dr. Boris Zernikow, Leitender Arzt am Institut für Kinderschmerztherapie der Universität Witten/Herdecke an der Vestischen Kinder- und Jugendklinik Datteln. "Über 200.000 Kinder in Deutschland leiden an Migräneanfällen. Funktionelle Bauchschmerzen, chronische Tumorschmerzen, Muskel- und Gelenkschmerzen sowie psychosomatische Schmerzerkrankungen stellen die behandelnden Kinderärzte oft vor unlösbare Aufgaben", so Zernikow.
Schmerzen ernst nehmen!
Häufig nehmen Erwachsene Schmerzen von Kindern nicht ernst. "Beiß die Zähne zusammen!" oder "Indianer kennen keinen Schmerz!" heißt es dann schon einmal. Während Eltern schnell zur Schmerztablette greifen, bieten sie ihren Kindern selten ein wirksames Medikament an. Denn viele Eltern haben Angst vor Nebenwirkungen oder einer Gewöhnung an Schmerzmittel.
Dabei wissen Schmerzforscher heute, dass sich Schmerzen, die nicht behandelt werden, verselbstständigen können, Experten sprechen von einem "Schmerzgedächtnis". Der Körper reagiert mit der Zeit immer heftiger auf einen Schmerzreiz, bis der Schmerz bestehen bleibt und nicht mehr verschwindet. Besonders problematisch sind daher frühe Schmerzerfahrungen bei Kindern, die nicht ausreichend behandelt wurden. So haben Mediziner lernen müssen, dass 60 bis 70 Prozent der erwachsenen Patienten mit anhaltenden Kopfschmerzen bereits seit ihrer Kindheit oder Jugend unter Kopfschmerzen litten.
Auch die ganz Kleinen haben Schmerzen
Früher waren Ärzte der Meinung, Föten und Neugeborene würden keine Schmerzen kennen. Diesen Glauben kann man getrost zu den Akten legen. Denn das Gegenteil ist der Fall: In frühen Entwicklungsstufen ist gerade die körpereigene Schmerzhemmung oft noch nicht ausreichend entwickelt, während Schmerzen bereits wahrgenommen werden.
Nach den Erkenntnissen der modernen Schmerzforschung erfordern daher schon Eingriffe im Mutterleib eine Narkose oder örtliche Betäubung beim Föten. Und auch Kleinkinder leiden an Schmerzen.
Rechtzeitig behandeln!
Damit sich erst gar kein Schmerzgedächtnis bildet, fordern Schmerzexperten eine frühe und konsequente Bekämpfung der Ursachen von Schmerzen und des Schmerzes selbst. Spätestens wenn Ursache und Stärke eines Schmerzes bekannt sind, sollte er gelindert werden. Die Waffen der modernen Schmerzmedizin können und sollen bei Kindern und Jugendlichen genauso rechtzeitig und konsequent zum Einsatz kommen wie bei Erwachsenen.
Wie stark sind die Schmerzen?
Damit die richtigen Schmerzmittel in der richtigen Menge gegeben werden, müssen Ärzte zunächst die Stärke der Schmerzen beurteilen. Für Kinder eignen sich dazu Verfahren, bei denen sie zum Beispiel mit Hilfe von lachenden bis weinenden "Smileys" die Schmerzstärke angeben können. Bei Neugeborenen und Kleinkindern, die noch nicht sprechen können, lässt sich Schmerz anhand von Grimassen, Schreien und Unruhe erkennen.
Schmerzmittel in Absprache mit dem Arzt
Da Kinder keine kleinen Erwachsenen sind, sollten Kinder Schmerzmittel nur in Absprache mit dem Arzt erhalten. Kinderärzte oder Ärzte, die über Erfahrung mit der Behandlung von Schmerzen bei Kindern verfügen, wissen, welches Arzneimittel in welcher Dosierung für ein Kind bei welchen Schmerzen in Frage kommt. Denn die Gabe von Schmerzmitteln durch die Eltern in Eigenregie ohne ärztliche Aufsicht kann mehr schaden als nutzen.
Starke Schmerzen - starke Medikamente
Gelegentlich treten bereits im Kindesalter starke und stärkste Schmerzen auf, die den Einsatz von starken Schmerzmitteln, den so genannten Opioiden, erfordern. Dabei gelten bei der Schmerzbehandlung von Kindern mit Opioiden, die bei Kindern zugelassen sind, die gleichen Regeln wie bei Erwachsenen.
Für viele dieser Opioide fehlt allerdings die Erfahrung bei der Schmerzbehandlung von Kindern. Nur sehr wenige Substanzen haben tatsächlich in Studien ihre Wirksamkeit und Verträglichkeit unter Beweis gestellt. Und nur sehr wenige dieser Schmerzmedikamente sind für die Behandlung von Kleinkindern in Deutschland zugelassen.
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