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Schmerzen und Angst

Schmerzen und Ängste sind häufig vergesellschaftet. Viele Patienten mit Nervenschmerzen haben zum Beispiel nicht nur mit dem quälenden Dauerschmerz zu kämpfen, sondern werden auch von Ängsten, Depressionen oder Schlafstörungen geplagt. Auch umgekehrt können Schmerzen eine Angsterkrankung begleiten, zum Beispiel bei der generalisierten Angststörung.


Nervenschmerzen und noch so viel mehr ...

Schätzungsweise die Hälfte bis zwei Drittel aller Menschen, die an dauerhaften Schmerzen leiden, haben zusätzlich psychische Probleme. Am häufigsten werden sie von Depressionen und Ängsten geplagt.

Dabei sind vor allem Patienten mit Nervenschmerzen von solchen Begleit¬erscheinungen betroffen. Oft bedingen sich die Beschwerden gegenseitig und können sich untereinander verstärken – eine Spirale aus Schmerzen, Schlafstörungen, Angst und Depression entsteht, die sich immer höher hinaufschraubt. Diese Situation kann einen Menschen ganz schön zermürben.

Ein Teufelskreis

Ein Beispiel: Eine Frau mit Nervenschmerzen kann wegen ihrer Schmerzen in der Nacht nicht gut schlafen. Sie liegt im Bett, wälzt sich herum, beginnt zu grübeln und sich Sorgen zu machen. Ängste steigen in ihr hoch. Wie soll das alles weitergehen. Muss ich mein Leben lang unter Schmerzen leiden? Am nächsten Tag ist sie unausgeschlafen und schlecht gelaunt, die Schmerzen quälen sie nach wie vor. Stellen Sie sich vor, das geht tage-, ja sogar monate- oder jahrelang so. Sie zieht sich zunehmend aus dem aktiven Leben zurück, ihre Gedanken kreisen immer öfter um negative Gefühle und sie wird immer depressiver. Angst, Wut und Verzweiflung machen die Schmerzen sogar noch schlimmer und der Teufelskreis beginnt wieder von vorne.

Diagnose und Therapie von Nervenschmerzen – aufgepasst!

Um Nervenschmerzen so gut wie möglich zu behandeln, ist es wichtig, neben den Schmerzen auch ein Augenmerk auf mögliche psychische Begleiterscheinungen zu haben. Betroffene sollten deshalb keine Scheu haben, mit ihrem behandelnden Arzt über negative Begleiterscheinungen wie Ängste, Depression und Schlafstörungen zu sprechen. Dies ist besonders deshalb wichtig, weil solche Beschwerden den Erfolg einer Schmerzbehandlung ziemlich stören können. Für eine bestmögliche Therapie sollten alle Aspekte – also Schmerzen und ihre psychischen Begleiter – auf dem Behandlungsplan stehen.

Schmerzen und psychische Begleiterscheinungen gleichzeitig behandeln

Bei der Therapie von Nervenschmerzen kann es deshalb Sinn machen, Medikamente zu verwenden, die sowohl gegen den Schmerz als auch gegen seine psychischen Begleiterscheinungen wirken. Die betroffenen Patienten können dabei in mehrfacher Weise profitieren. Einerseits können die Schmerzen und gleichzeitig ihre psychischen Begleiterscheinungen gebessert werden. Andererseits kann bei der Gabe eines einzelnen Medikaments im Vergleich zur Kombination von mehreren Medikamenten das Risiko von Nebenwirkungen geringer sein. Beispiele sind einige Medikamente aus den Gruppen der Antikonvulsiva/Antiepileptika und der Antidepressiva.

Antikonvulsiva werden von manchen Ärzten auch „Antiepileptika“ genannt. Sie wurden ursprünglich zur Behandlung von epileptischen Anfällen entwickelt. Es hat sich aber herausgestellt, dass einige von ihnen nicht nur bei Epilepsie, sondern auch bei Nervenschmerzen sehr gut wirken. Einige dieser neueren Antikonvulsiva haben auch einen positiven Effekt auf schmerzbedingte Schlafstörungen.

Die so genannten Antidepressiva werden vorrangig bei der Behandlung von Depressionen eingesetzt. Neben dieser stimmungsaufhellenden Wirkung werden einige Antidepressiva aber auch in der schmerzlindernden Therapie eingesetzt.

Schmerzen als Symptom von Angsterkrankungen

Schmerz und Angst treten nicht nur bei Nervenschmerzen zusammen auf. Auch umgekehrt können Angsterkrankungen mit Schmerzen einhergehen. Angsterkrankungen können sich durch körperliche Beschwerden wie Schmerzen bemerkbar machen. Ein Beispiel ist die so genannte generalisierte Angststörung. Sie ist geprägt von ständigen Sorgen und Befürchtungen, verbunden mit anhaltender innerer Unruhe und verschiedenen körperlichen Symptomen. Die Betroffenen leiden zum Beispiel häufig unter Kopf- und Muskelschmerzen oder Rückenbeschwerden 1.

Die Diagnose „Generalisierte Angststörung“ ist nicht immer einfach

Obwohl die generalisierte Angststörung eine der häufigsten Angsterkrankungen ist, wird sie nur bei einem Drittel der Patienten, die deswegen zu ihrem Hausarzt gehen, erkannt. Denn nur wenige Patienten mit generalisierter Angststörung suchen unmittelbar wegen ihrer Ängste oder Sorgen einen Arzt auf. Häufig stehen die körperlichen Beschwerden wie Schmerzen oder Schlafstörungen im Vordergrund und machen den Betroffenen zu schaffen 2.

In einer Befragung in mehr als 400 Hausarztpraxen klagte beispielsweise jeder vierte Angstpatient über chronische Schmerzen wie Rückenschmerzen. Jeder zehnte hatte mit Schlafproblemen zu kämpfen. Aufgrund der unklaren Beschwerden haben manche sogar schon einen wahren Ärztemarathon hinter sich und es vergehen mitunter mehrere Jahre, bis die richtige Diagnose gestellt ist 1, 2.

Foto: Mann, der sich mit beiden Händen an den Rücken fasst

Bei chronischen Rückenschmerzen kann auch eine Angststörung die Ursache sein.

Ängste können erfolgreich behandelt werden

Die generalisierte Angststörung kann gut behandelt werden, vor allem wenn sie rechzeitig erkannt wird. Von der Selbsthilfe über psychotherapeutische Verfahren und die Behandlung mit Medikamenten es gibt viele Möglichkeiten, eine generalisierte Angststörung zu überwinden. Oft kommen mehrere Behandlungsmethoden gleichzeitig zum Einsatz 2.

Für die Behandlung der generalisierten Angststörungen stehen verschiedene Arzneimittel zur Verfügung. Bisher werden vor allem manche der so genannten Antidepressiva und Anxiolytika (Angstlöser) eingesetzt.

Es kommen aber auch neue Behandlungsmöglichkeiten bei der generalisierten Angststörung zum Einsatz, wie zum Beispiel die Einnahme eines Antikonvulsivums/Antiepileptikums.

Quellen:

  1. Angststörung kann Schmerzen bereiten. Ärzte-Zeitung online 18.01.2007.
  2. Angsterkrankungen Auf den Punkt gebracht, Informationen für den Patienten: Verlag für Didaktik in der Medizin GmbH, 2006.